Noch einmal ein Bild unseres Postamts, diesmal von der anderen Seite fotografiert, der weiße Golf dahinten ist übrigens meiner, im Vordergrund deutlich sichtbar das Schild des optimistischen Kaufhauses „Alle Werden Glücklich“. Auch deutlich sichtbar: die Werbung für den heutigen verkaufsoffenen Sonntag.

In München gab es das nicht, aber hier in Gemünden gibt es ab und zu verkaufsoffene Sonntage. Und was für mich völlig unbegreiflich ist: Die Geschäfte sind an diesen Sonntagen voll. Was, so frage ich mich, ist in den Geschäften Sonntags interessanter als Montags bis Samstags? Eine ganz merkwürdige Sache.
Normalerweise nutze ich diese Sonntage kategorisch nicht. Heute aber war der verkaufsoffene Sonntag für mich ein Glücksfall. Als ich gerade eine Linsensuppe kochte, entdeckte ich, dass ich kein Suppenpulver mehr vorrätig hatte. Die Zwiebeln waren schon geschnitten, die Linsen kochten bereits. Also fuhr ich zum Edeka-Supermarkt, der sich neben „Alle Werden Glücklich“ und Postamt befindet.
An der Kasse wurden alle Kunden nach dem Bezahlen nach ihrer Postleitzahl gefragt. Ich kam an die Reihe. Zahlte.
Kassiererin: „Ihre Postleitzahl?“
Ich: „Sage ich nicht.“
Ich habe spontan boykottiert! Warum weiß ich auch nicht. Ich bin ansonsten wahrscheinlich eine der gläsernsten Kundinnen Deutschlands überhaupt. Ich nutze überall diese Kunden-Punkte-Sammel-Karten, bei denen der Supermarkt / das Kaufhaus nach einer Zeit ganz genau über mein Einkaufsverhalten, meine Ess- und Lebensgewohnheiten und mein ausgegebenes Budget Bescheid weiß. Heute aber: Boykott. Streik. Ganz spontan. Vielleicht, weil es so unpersönlich ist, seine Postleitzahl aufzusagen. „Ich heiße Cornelia de Vos und ich mag Hörbücher“ zum Beispiel hätte ich gerne gesagt.
Auf der Fahrt nach Hause nagte dann mein schlechtes Gewissen ein wenig. Die arme Kassiererin kann ja nichts dafür. Und natürlich hat der Edeka einen guten Grund, die Postleitzahlen statistisch zu erfassen, die stimmen sicher ihre Werbemaßnahmen usw. auf das Einzugsgebiet ab, das ist ja nichts Schlechtes, ich kann das verstehen, ich bin - nein – ich habe ja selbst einen Verlag und arbeite dafür, Kunden zu gewinnen.
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Dann noch einmal eine eMail nach Frankreich geschrieben, von dem vermuteten Post-Irrtum berichtet, angeboten, das Hörbuch noch einmal loszusenden, falls es nicht spätestens am Dienstag angekommen ist. Wilde grammatikalische Konstruktionen auf Französisch.
Des Weiteren: bin in Verhandlung mit einem philosophischen Forum, möchte eine Art Werbekooperation erreichen, aber das Ganze gestaltet sich kompliziert, Misstrauen und versteckte Vorbehalte mir gegenüber als kommerziellem Verlag, ich leiste Überzeugungsarbeit.
„Die Atmosphäre der Feindschaft gegenüber dem Kapitalismus macht es viel schwieriger, als es sonst wäre, sich eine vernünftige Ansicht über seine wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen zu bilden.“ Alois Schumpeter